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Das Triodos Bankgebäude, erbaut im Sinne der Circular Economy

Schüco-Lösungen für eine harmonisch in die Natur integrierte, demontierbare und energieneutrale Architektur mit digitalem Materialpass

08/11/2021 - Wie kann ein 13.000 Quadratmeter umfassender Bau im Sinne der Kreislaufwirtschaft gebaut sein? Das neue Bürogebäude der Triodos Bank in den Niederlanden macht es vor. Es ist komplett demontierbar und energieneutral und dokumentiert alle verwendeten Materialien in einem digitalen Materialpass. In diesen fließen auch die Lösungen von Schüco für die geschwungene, verglaste Aluminiumfassade ein, dank derer und der Holzstruktur des Gebäudes sich der Firmensitz perfekt in die Umgebung einpasst.

Der Standort für das neue Bürogebäude der der Triodos Bank liegt auf dem Anwesen de Reehorst, dem Gründungsort des Kreditinstituts im Jahr 1980. Hier ist ein Bau aus drei Türmen von drei, vier und fünf Stockwerken entstanden, die über geschwungene Linien miteinander verbunden sind und sich dank der Materialwahl, den verglasten Fronten und der Dachbegrünung in das Umfeld fließend einpassen. Doch nicht nur optisch ist der Aspekt des Respekts der Umwelt in die Planung eingeflossen. Die Nachhaltigkeitsbank, die in 43 Ländern aktiv ist und in 2020 ein Gesamtvermögen von über 20 Milliarden Euro verwaltete, und grundsätzlich nur in Projekte mit sozialem, ökologischem und kulturellem Mehrwert investiert wollte ihre Prinzipien auch im Gesamtkonzept der Architektur umgesetzt wissen und setzte so auf zirkuläres Bauen.

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Zirkuläres Bauen und Materialpass

Für dieses Vorhaben setzte Triodos auf den anerkannten Vordenker der Circular Economy und vielfach ausgezeichneten Architekten Thomas Rau. Der Planer, der international als Vorreiter kreislauffähiger, klimapositiver und innovativer Gebäude gilt und auf der ständigen Suche nach noch besseren Lösungen ist, hatte bereits in 1999 und 2006 die beiden Unternehmenszentralen der Triodos Bank entworfen. Der Gestalter betrachtet ein Gebäude als „limited edition“, als eine zeitlich begrenzte Kombination aus Materialien, Produkten und Komponenten mit einer dokumentierten Identität. Im Jahr 2017 gründete er die gemeinnützige Madaster Stiftung und rief die gleichnamige Onlineplattform zur Realisierung digitaler Materialpässe für Gebäude ins Leben. Neben RAU Architekten fanden sich der Projektentwickler EDGE Technologies, das Bauunternehmen J.P. van Eesteren, das Innenarchitekturbüro Ex Interiors, die Landschaftsarchitekten von Arcadis zusammen mit den Bauspezialisten von Copijn für ein behutsames Landschaftskonzept und zahlreiche weitere Akteure für das Bauvorhaben zusammen. 

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Stabilisierend und charakteristisch: die Fassade

Dem spektakulären Charakter des Gebäudes verlieh der Visionär Rau in Form eines amorph geschwungenen Baukörpers mit einer komplett verglasten Aluminiumfassade Ausdruck. Das Fassadendesign ließ sich exzellent mit einer Schüco Sonderkonstruktion auf Basis des Fenstersystems AWS 75 BS.HI+ als Einsatzelement umsetzen. Die hochwärmegedämmten Blockfenster in 75 mm Bautiefe ohne sichtbare Flügelkonturen mit äußerst schlankem Blendrahmenprofil, verdeckt liegender Entwässerung und Uf-Werten zwischen 1,5 und 2,0 W/(m²K) erfüllen höchste energetische und architektonische Ansprüche bei größtmöglicher Transparenz. Die hier ausgeführte Variante betont in idealer Weise den leichten Charakter hochwertiger Aluminium-Fensterkonstruktionen. Darüber hinaus verfügt der Werkstoff Aluminium über weitere unschlagbare Vorteile: Langlebigkeit, Stabilität, Robustheit und 100 Prozent Kreislauffähigkeit.

Die Fassadenunterkonstruktion übernahm eine wichtige stabilisierende Funktion, da sie die lasttragenden Holzelemente abfängt. Die passivhauszertifizierte Aufsatzkonstruktion Schüco AOC 50 in 50 Millimeter Ansichtsbreite auf Stahl (ST) überzeugte hier technisch wie gestalterisch mit überragenden Leistungsmerkmalen, die energieeffizientes Bauen mit rationeller Fertigung und sicherer Montage kombinieren. Ein neues Isolierprinzip ermöglichte die Realisierung einer hochwärmegedämmten Vertikalfassade mit einem Uf-Wert von maximal 0,8 W/(m²K). Die praktische Umsetzung der großen Scheibendimensionen mit Dreifachverglasung gelang mittels innovativer, patentierter Schraubenführung, die Füllungsdicken bis 64 Millimeter bei einem Maximalgewicht von 1.500 Kilogramm erlaubt. Als vorteilhaft für eine professionelle Ausführung erwiesen sich die Abdichtungskomponenten ohne Dichtmitteleinsatz in der Vertikalfassade. Überdies begünstigte die eingesetzte bauaufsichtlich zugelassene Bolzensetztechnologie auf Stahl-Unterkonstruktionen eine kürzere Fertigungszeit gegenüber dem Schweißen.

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Harmonisierendes Raumgefühl

Im Inneren besticht die natürliche Authentizität der Materialien: Durch die sehr hohen Geschosshöhen, die pilzförmig angeordneten Holzsparren, die den Kern umrahmen, und die konsequente Verwendung von Holz für Böden, Decken, Säulen und Schächte, entsteht ein Raumgefühl wie in einer 'Kathedrale aus Holz'. Für bestmögliche Tageslichtnutzung bis weit ins Rauminnere sorgen die Konstruktion und die verglaste Aluminiumfassade von Schüco, die aus 1.280 Einzelscheiben besteht. Transparente Trennwände, die zugleich als Lärmschutz dienen, ermöglichen von fast jedem der 1.000 Arbeitsplätze einen optimalen Blick in die Landschaft. Praktisch sind die in den 3,60 Meter großen Fassadenrastern befindlichen etagenhohen Fenster, die geöffnet werden können und eine natürliche Belüftung zulassen. Eine visuelle Verbindung zwischen den Etagen stellen Galerien her, die über Wendeltreppen erreichbar sind.

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Ein paar Daten und Fakten

Insgesamt wurden 1.615 Kubikmeter Brettschichtholz und 1.008 Kubikmeter Brettsperrholz sowie fünf ganze Baumstämme in dem mit dem Nachhaltigkeitszertifikat 'BREEAM Outstanding' ausgezeichneten Gebäude verbaut. Die 2.623 Kubikmeter Holz speichern mehr als 1,6 Millionen Kilogramm CO2 und benötigen knapp 12 Minuten, um nachzuwachsen. Statt herkömmliche Verbundstoffe zu verwenden, die eine sortenreine De- und Remontage unmöglich gemacht hätten, halten 165.312 Bolzenschrauben zwischen 240 bis 500 Millimetern Länge die Konstruktion zusammen.

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Kurios: E-Autos als Energiespeicher

Die Module für den umweltfreundlichen Solarstrom sind auf den Dachflächen der Carports untergebracht. So wird auf über 3.000 Quadratmetern rund 506.000 Kilowattstunden Sonnenstrom pro Jahr gewonnen und für den energieneutralen Gebäudebetrieb genutzt. Zudem werden die darunter parkenden Elektroautos über bidirektionale Ladesäulen als aktive Energiespeicher in das Gebäudeenergiekonzept mit einbezogen. Bei der Verwirklichung der Idee half das Innovationsprojekt 'We drive solar', das im Rahmen des EU-Forschungsprogramms 'Horizon Europe' neuartige Lösungen für Mobilitäts- und Energiesysteme unterstützt.

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Materialbank für die Zukunft

Neuland betraten die Projektpartner überdies bei der Erstellung des BIM-basierten Materialpasses, der über die Herkunft und die Recyclingfähigkeit aller Materialien, Produkte und Komponenten informiert, damit sie zukünftig problemlos wiederverwendet werden können. Anders als üblich, verlief der dazu notwendige Planungsprozess nicht Gewerk für Gewerk, sondern fand in integrierter Zusammenarbeit statt. Da alle das Bauvorhaben als Lernprozess betrachteten und Teamgeist das Miteinander bestimmte, fand man sich schnell in das Prozedere hinein. Die größte Hürde bestand darin, die IFC-Dateien (Industry Foundation Classes, ein offener Standard im Bauwesen zur digitalen Beschreibung von Gebäudemodellen) in der erforderlichen Datenqualität von den Lieferanten, Herstellern und Subunternehmen zu beschaffen. Überwacht werden die Materialwerte künftig von der zuvor erwähnten Madaster-Plattform. So ist das Gebäude nicht nur ein Materiallager, sondern auch eine Materialbank, deren Werte beispielsweise als Anlagevermögen dienen oder anderweitig kapitalisiert werden können.

Ob zirkuläres Bauen ein Treiber für die digitale Transformation der Bauwirtschaft sein kann, wird die Zukunft zeigen. In jedem Fall ist ein neues Planungsverständnis unerlässlich. Zudem dürfte die Zirkularität von Gebäuden perspektivisch interessante Entwicklungen hinsichtlich der Bewertung von Immobilien nach sich ziehen. Von dem erweiterten Bürogebäude der Triodos Bank könnten folglich noch wegweisende Impulse ausgehen.

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