Die ADA 2020 Jurymitglieder kommen zu Wort: Beppe Brancato, Kirsten Murray und Stefan Sagmeister

Teil 3 der wöchentlichen Gesprächsrunde mit den Juroren der Archiproducts Design Awards

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Die ADA 2020 Jurymitglieder kommen zu Wort: Beppe Brancato, Kirsten Murray und Stefan Sagmeister
20/07/2020 - Für die dritte Folge unseres wöchentlichen Gesprächs mit den Jurymitgliedern der Archiproducts Design Awards haben wir uns mit dem Fotografen Beppe Brancato, der Designerin Kirsten Murray von Studio Olson Kundig aus Seattle sowie mit Grafikdesigner Stefan Sagmeister unterhalten.
 
Im Vorgriff auf die Entscheidung der Jury und die Namen der Gewinner befragen wir die Jurymitglieder nach ihrem persönlichen Standpunkt zur Projektkultur und ihren Erwartungen an die diesjährigen Nominierten.
 
 
Beppe Brancato - "Ich hoffe, Entwürfe vorgestellt zu bekommen, die eine Geschichte haben, nicht nur voreilige Entscheidungen, bestimmt von den neusten Trends."
 
Der aus Sizilien stammende Beppe Brancato lebt und arbeitet in Mailand, wo er als Lichttechniker begann. Heute fotografiert er Kampagnen für große Designlabels und hat zahlreiche Veröffentlichungen in den wichtigsten nationalen und internationalen Magazinen.

 
Was erwartest du von den kandidierten Produkten und welche Eigenschaften wirst du belohnen?
Aufgrund meiner Erziehung und meiner sizilianischen Herkunft fühle ich mich von allem angezogen, was Spuren der Geschichte trägt. Design scheint heute meistens das Ergebnis von oberflächlichem Wissen zu sein und wird von flüchtigen Trends angetrieben. Deshalb hoffe ich darauf, echte Geschichten zu entdecken, die hinter der Entstehung und Entwicklung der Entwürfe stehen, nicht nur voreilige Entscheidungen von Trends bestimmt.
 
Welche Rolle sollte ein Design Award heutzutage deiner Meinung nach spielen?
Heutzutage sind Designer mit einer übersättigten Gesellschaft konfrontiert, überhäuft mit Replikationen und mit Innovationen, die keine sind. Ich denke, ein Designpreis sollte das Bewusstsein haben und es als seine Verantwortung sehen, zu einem aktiven und konstanten kreativen Prozess beizutragen und, wo es machbar ist, etwas zu ergänzen.
 
In welche Richtung sollte zeitgenössisches Produktdesign gehen und wie sollte es sich entwickeln, um den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden?
In einer Zeit wie die, in der wir leben, mit einer Pandemie, die jeden wahllos trifft, scheinen sich die Bedürfnisse der Menschen geändert zu haben. Stillstand hat die Oberhand gewonnen und den ständigen Ansturm unseres täglichen Lebens plötzlich zum erliegen gebracht. Die Bedürfnisse eines jeden sind wieder primärer geworden. Wir alle waren gezwungen, zu Hause zu bleiben und unser Zuhause auch wirklich zu leben. Dies hat uns zu einer “Wiederentdeckung” eines uns bekannten und doch vergessenen Orts geführt. Vielleicht sollte Design etwas Überflüssig- und Oberflächlichkeit abschütteln und versuchen, zu der Essenz zurückzukehren, die nach jedem schwierigen Moment in der Geschichte zu Wachstum und Weiterentwicklung führte.
 
 
Stefan Sagmeister - „Ich freue mich darauf, einen umfassenden Überblick über die derzeit besten Arbeiten zu erhalten.
 
Der in New York lebende Österreicher Stefan Sagmeister ist weithin bekannt und anerkannt. Er gilt als eine der transgressivsten Figuren im modernen Grafikdesign. Seine provokanten Poster und die Albumcover, die er für verschiedene Rockikonen entworfen hat: Lou Reed, David Byrne von Talking Heads (mit dem er einen Grammy für das beste Cover mit russischen Gemälden gewann), Rolling Stones, Aerosmith und andere haben ihn weltweit bekannt gemacht. Sagmeisters einzigartige Herangehensweise an Grafikdesign hat den Prozess der grafischen und visuellen Identitätsgestaltung verändert, den extremen Rationalismus gestürzt und die ästhetische Forschung an den Rand der „Hässlichkeit“ gebracht.
 

 
Was erwartest du von den kandidierten Produkten und welche Eigenschaften wirst du belohnen?
Ich freue mich darauf, einen umfassenden Überblick über die derzeit besten Arbeiten zu erhalten. Ich werde Entwürfe belohnen, die für jemanden hilfreich oder einfach wunderbar sind.
 
 
 
Kirsten Murray - „Meine eigene Design-Tendenz gilt Objekten, die ihre Verwendung offenbaren und eine einfache Form besitzen.
 
Kirsten ist seit 1989 Partnerin des amerikanischen Designstudios Olson Kundig. In ihrer Karriere hat sie bereits alles entworfen, von Privathäusern bis hin zu gemischt genutzten Gebäuden, wobei sie stets die verschiedenen Aspekte des Gemeinschaftslebens berücksichtigt. Zu ihren neuesten Projekten gehören das Paradise Road Housing am Smith College, das Copine Restaurant, das NYC-Media Headquarters und Lab for Capital One in New York.
 

 
Was erwartest du von den kandidierten Produkten und welche Eigenschaften wirst du belohnen?
Produkte sind im Wesentlichen Werkzeuge, daher werde ich in diesem Sinne nach Entwürfen suchen, bei denen Funktionalität im Vordergrund steht und die zur Lösung echter Probleme entwickelt wurden. Meine eigene Design-Tendenz gilt Objekten, die ihre Verwendung offenbaren und eine einfache Form haben.
 
Welche Rolle sollte ein Design Award heutzutage deiner Meinung nach spielen?
Designpreise sind großartige Gelegenheiten, um den Dialog in der Designbranche zu fördern. Außerdem können sie eine Plattform bieten, um interdisziplinäres Denken voranzubringen. Auszeichnungen bieten auch die Möglichkeit, den Wert von Design einem breiteren Publikum zu veranschaulichen, potenziell neue Kunden und Kollaborationen zu erreichen oder die nächste Generation von Designern zu inspirieren.
 
In welche Richtung sollte zeitgenössisches Produktdesign gehen und wie sollte es sich entwickeln, um den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden?
Viele von uns befinden sich derzeit in einer Phase der Selbstreflexion und möchten möglicherweise unser Engagement bekräftigen, Themen wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Wert positiv zu beeinflussen. Unsere modernen Designprinzipien sind aus dem mittlerweile hundertjährigen Gedanken heraus entstanden, technologische Fortschritte - wie Massenproduktion und Fertigung - zu nutzen, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Diese Idee und dieser Ehrgeiz sind nach wie vor relevant, und ich denke, sie bieten zeitgenössischen Designern immer noch wertvolle Ansätze.
 
 
 

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