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Ein Prototyp für das Arbeiten der Zukunft?

Der von OMA entworfene Axel Springer Campus in Berlin

21.04.2021 - Ende letzten Jahres eröffnete der von Rem Koolhaas und seinen Kollegen von OMA erbaute Axel Springer Campus in Berlin. Ein revolutionäres Gebäude, sicherlich ein Monument für Berlin und seine Geschichte und vielleicht ein Prototyp für das Arbeiten der Zukunft. Ein architektonisches Konzept basierend auf der allseits bekannten Krux der Arbeitswelt - die Vereinbarung von Privatsphäre und Konzentration mit Kommunikation, Interaktion und Agilität.
 
Axel Springer hat den Schritt von Print zu digitalen Medien eingeleitet. Sein neues Gebäude auf dem Medien Campus in Berlin fungiert sowohl als Symbol als auch als Werkzeug dieses Übergangs - ein Gebäude, das die Elite der digitalen Boheme anlocken soll. 
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Ein diagonal verlaufendes Atrium, das sich zu den bestehenden Springer-Gebäuden hin öffnet, bildet das Herz des Entwurfs: eine Reihe von terrassenförmig angeordneten Etagen, die zusammen, wie es die Architekten ausdrücken, ein “digitales Tal“ ergeben, das in der Mitte eine informelle Bühne entstehen lässt - ein Ort, an dem Ideen geteilt werden und in andere Bereiche des Unternehmens übertragen werden.
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Das Gebäude befindet sich gegenüber der bestehenden Axel-Springer-Zentrale an der Zimmerstraße, einer Straße, die früher Ost- und West-Berlin trennte - einer der bedeutendsten Orte der Stadt. Dass sich der frühere Grenzverlauf quer durch das Gebäude zieht, greifen die Planer nicht nur in Form des Atriums auf, sondern betonen die 'Zweiteilung' zudem durch ein entsprechendes Farbkonzept.
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Der Grundgedanke

Das Geniale an Druckerzeugnissen ist, dass sie eine günstige, physische, leicht zugängliche Verkörperung einer komplexen kollektiven Anstrengung sind, für die das Digitale bisher noch keine Entsprechung gefunden hat. 
 
Architekturbüros sind Zeitungen insofern ähnlich, als dass sie komplexe Zusammenhänge und Selektionen aus grundlegend unterschiedlichen Informationsquellen entnehmen, erklären die Architekten von OMA. Architekten haben die Vorzüge der Digitalisierung kennengelernt: Schnelligkeit, Präzision, Reibungslosigkeit. Doch gleichzeitig wird unter einer entscheidenden Konsequenz gelitten: Der Beziehung zwischen Mensch und Computer, in einer Blase der introvertierten Leistung isoliert, unzugänglich für die Kollektivität.
 
Im klassischen Newsroom dominiert von rauchenden, tippenden Journalisten, war sich jeder Mitarbeiter der Arbeit und des Fortschritts seiner Kollegen und des kollektiven Ziels bewusst: Eine einzige Ausgabe, mit dem Redaktionsschluss als Deadline. Im digitalen Büro dämpft das konzentrierte Starren auf einen Bildschirm, der sogenannte “Tunnelblick”, alle anderen Formen der Aufmerksamkeit und untergräbt damit die kollektive Intelligenz, die für echte Innovation notwendig ist.
 

Die Umsetzung

Rem Koolhaas, OMA-Partner Chris van Duijn, Projektleiterin Katrin Betschinger und das Planungsteam von OMA haben ein Gebäude entwickelt, das die Arbeit des Einzelnen zur gemeinschaftlichen Betrachtung freigeben will. Das neue Bürogebäude ist mit einem zentralen Atrium versehen, das sich zu den bestehenden Springer-Gebäuden hin öffnet und dem Springer-Campus ein neues Zentrum gibt.
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Der Entwurf entwickelt sich um eine Reihe von Terrassengeschossen herum, die zusammen ein “digitales Tal“ bilden. Jedes Stockwerk enthält einen überdachten Teil als traditionelle Arbeitsumgebung, der dann auf der entsprechenden Terrasse freigelegt wird. Auf halber Strecke durch das Gebäude wird das Tal gespiegelt, um ein dreidimensionales Vordach zu erzeugen.
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Der gemeinsame Raum, der durch die miteinander verbundenen Terrassen gebildet wird, bietet eine Alternative zu den formalen Büroräumen im massiven Teil des Gebäudes und verkörpert ein noch nie dagewesenes Verständnis des Arbeitsraums: Ein Gebäude, das den Fragestellungen der digitalen Zukunft gewachsen ist.
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Die Öffentlichkeit kann das Gebäude auf drei Ebenen erleben - Lobby im Erdgeschoss, Begegnungsbrücke und Bar auf dem Dach. Die Begegnungsbrücke ist eine Aussichtsplattform, von der aus Besucher das tägliche Treiben des Unternehmens beobachten können. Das Erdgeschoss öffnet sich zur Stadt hin und enthält Ateliers, Veranstaltungs- und Ausstellungsräume, Kantinen und Restaurants.

Der Axel Springer Campus auf Archilovers.com.
 
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