Wienerberger Italien investiert in Krisenzeiten in die Zukunft

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22/01/2013 - Die italienische Ziegelindustrie hat 2011 einen weiteren starken Einbruch der Produktion verzeichnen müssen; die hergestellten Ziegel entsprechen der Hälfte der Produktionsmenge des Jahres 2007. In dieser Situation zeichnet sich auch eine Konsolidierung des Ziegelsektors ab. Filippo de Fraja Frangipane, Vizepräsident und Betriebsdirektor Industrie, erklärte uns, mit welcher Strategie Wienerberger Italien durch die Krise kommen will.

Zi: Die Ziegelproduktion in Italien ist seit 2008 stark rückläufig. Wie ist die Situation bei Wienerberger Italien?

F. de F. F.: Natürlich sind auch wir von dieser weltweiten Krise betroffen. Wir haben im Jahr 2011 rund 439 Mio. NF produziert. Vor der Krise waren es rund 30 % mehr. Das wirkt sich natürlich auch auf den Umsatz aus, der von 65 Mio. € in 2008 auf 40 Mio. € in 2011 zurückgegangen ist. Uns war es aber sehr wichtig, unsere guten Fachkräfte so weit wie es nur ging, zu halten. Trotz der doch dramatischen Produktionsrückgänge haben wir unsere Belegschaft um nur 11 % reduziert. Allerdings hat die Krise auch etwas Gutes. Es gab vorher in Italien zu viele Ziegelwerke, eine Konsolidierung war und ist dringend notwendig und findet jetzt statt.

Wir haben bei Wienerberger die Zeit genutzt, um uns fit für die Herausforderungen der nächsten Zeit zu machen. Dazu gehören Investitionen in Technik und Umweltbelange, aber z.B. auch in die Arbeitssicherheit.

Wir haben unsere gesamten Arbeitsabläufe standardisiert und alle Produktionsbereiche auf Sicherheitsmängel überprüft und mit Standardarbeitsanweisungen ausgestattet. Waren wir in Italien bisher das Land mit den schlechtesten Zahlen in der Unfallstatistik innerhalb der Wienerberger-Gruppe, haben wir es mit der Umsetzung verschiedener Maßnahmen in nur zwei Jahren geschafft, das Land mit den stärksten Rückgängen an Unfällen zu werden.

Das kostet natürlich erst einmal Geld, im Ergebnis aber haben wir weniger Ausfälle und verringerte Kosten. Im Vergleich zu vielen Wettbewerbern war es uns, durch unsere Zugehörigkeit zur  Wienerberger-Gruppe, auch in der Krise möglich, zu investieren. Und wir haben es geschafft, nach einem negativen EBITA in 2010, in 2011 ein positives EBITA zu erreichen, das in 2012 weiter verbessert wird.

Zi: Mit welchen Investitionen haben Sie die vier italienischen Wienerberger-Werke fit gemacht?

F. de F. F.: Wir haben viele einzelne Investitionen getätigt, z.B. 6,4 Mio. € für Photovoltaikanlagen auf unseren Werksund Bürodächern ausgegeben. In unseren Werken in Terni, vor den Toren Roms, und Gattinara, zwischen Turin und Mailand, haben wir 2,5 Mio. € in verschiedene Maßnahmen zur Energieeinsparung umgesetzt, mit dem Ergebnis einer 20 %igen Energieeinsparung. Außerdem haben wir u.a. unsere Press- und Trocknerbereiche im Werk Terni robotisiert. Ein wichtiger Investitionspunkt ist die Sicherstellung der Verfügbarkeit unserer Rohstoffe. Deshalb haben wir 3 Mio. € in unsere Grube in unserem Bubano-Hauptwerk in Mordano, wo wir zwei Produktionslinien betreiben, investiert. So haben wir für die nächsten 15 bis 20 Jahre Rohstoffsicherheit. Ein weiterer wichtiger Schritt in die Zukunft war der Einbau einer Ceric-Schleifanlage in den Werken Gattinara und Villabruna Feltre.

Zi: Wie hoch ist der Anteil an Planziegeln in Ihrem Sortiment?

F. de F. F.: Der Planziegel kommt langsam in Italien an und wird derzeit in den Markt eingeführt, wir verkaufen 7,4 % unserer Produkte geschliffen. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Planziegel mit all seinen positiven Eigenschaften in der Verarbeitung auch in Italien ein Erfolgsprodukt wird. Und, für dieses hochwertige Produkt können wir auch mehr erlösen.

Zi: Und wie sieht es mit gefüllten Ziegeln aus?

F. de F. F.: Die machen zurzeit nur etwa 2,8 % des Umsatzes aus und wir beziehen sie von unseren Wienerberger-Partnerwerken. Wir beobachten die Entwicklung natürlich und werden bei Bedarf auch reagieren.

Zi: Welche Maßnahmen bzw. auch Produkte sind Ihrer Meinung nach nötig, um im schwierigen italienischen Markt zu bestehen?

F. de F. F.: Für uns sind die Themen Umweltschutz und Ressourcennutzung bedeutende Projekte, jetzt und zukünftig. Unser Werk in Terni erhielt 2012 die Umweltmanagementnorm ISO 14001. Unsere anderen Standorte sollen 2013 zertifiziert werden. In umfangreichen Versuchen haben wir unsere Betriebsmischungen unter Einsatz von sekundären Rohstoffen optimiert. Wir haben in jedem einzelnen Werk mehrere Mischungen im Einsatz, um daraus die unterschiedlichsten Produkte herzustellen. Wir arbeiten ständig an der weiteren Verbesserung von Rohdichte und Wärmeleitfähigkeit unserer Ziegel. Meiner Meinung nach gibt es beim Einsatz von Reststoffen kein Zurück, sondern er muss weiter ausgebaut werden, auch, um unabhängiger von den einzelnen Lieferanten zu werden. Wir können jetzt auch Produkte für erdbebengefährdete Zonen anbieten. Das ist sehr wichtig, gerade in Zeiten, in denen die Vorschriften strenger werden, auch in Regionen ohne historische seismische Erfahrung (z.B. Erdbeben in Aquila).

Zi: Sind die vier Werke auf unterschiedliche Produkte spezialisiert oder macht jedes Werk alles?

F. de F. F.: Im Prinzip fertigt jedes Werk die vollständige Produktpalette, auch aufgrund der territorialen Entfernungen. Unser Produktprogramm umfasst derzeit etwa 230 verschiedene Produkte. In Gattinara und Feltre werden die geschliffenen Produkte hergestellt.

Zi: Herr de Fraja Frangipane, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihren Mitarbeitern, dass Sie gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Das Interview führte Zi-Redakteurin Anett Fischer.

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